Familienrechtliche Presseschau Juli 2019

- Redaktionsmeldungen

Kita-Klagen, Unterhalt in der Türkei, Namensrecht in Island, Verfahrensbeistände, Stalking

Die FamRZ verfolgt für Sie die Berichterstattung in den Medien zu aktuellen familienrechtlichen Themen. Einmal monatlich veröffentlichen wir auf famrz.de einen Überblick über die interessantesten Artikel – zum Weiterlesen, Diskutieren oder Wundern.

Eltern scheitern fast immer bei Kita-Klagen

Süddeutsche Zeitung | Stephan Handel

2017, das zeigen Berechnungen der SZ, wurden 47 Prozent der unter drei Jahre alten Kinder einer Akademikerin in einer Kindertagesstätte betreut. Bei Müttern mit einer nicht akademischen Berufsausbildung waren es 30 Prozent, bei Müttern ohne Berufsausbildung 19 Prozent. Macht einen Unterschied von 28 Prozentpunkten zwischen der höchsten und niedrigsten Bildungsgruppe. Zum Vergleich: Im Jahr 2005, also vor Beginn des Kita-Ausbaus für unter Dreijährige, waren es zwölf Prozentpunkte.

Die Männer zahlen nicht

taz | Çiçek Tahaoğlu

In der Türkei wird derzeit über eine Neuregelung der Unterhaltspflicht nach der Scheidung diskutiert. Auf die politische Tagesordnung haben das Thema Männerrechtler-Gruppen gebracht, die sich selbst als „Opfer der Unterhaltspflicht“ bezeichnen. Die Gruppierungen fordern auch die Abschaffung wegweisender Gesetze wie der Istanbul-Konvention und dem Gesetz Nr. 6284, das Frauen in der Türkei vor Gewalt schützt. Ihre Begründung: diese schaden "der Familie".

Islands kleine Namensrevolution

ORF.at

Das dritte Geschlecht ist in Island angekommen, einem Land, das ein komplexes und streng geschlechtertrennendes Namenssystem hat: Künftig haben Personen neben "männlich" und "weiblich" auch die Möglichkeit, ihr Geschlecht als „X“ einzutragen. So wird nun auch der Nachname in Island künftig anders gebildet. Zusätzlich zu "-son" und "-dottir" gibt es nun die neue Endung "-bur". 

"Wenn Sie vor dem Familiengericht landen, sind Sie keine guten Eltern"

MDR | Interview mit Franka Berger

Der MDR interviewt die Verfahrensbeiständin Franka Berger. Sie bezeichnet sich selbst auch als "Anwältin der Kinder" und erzählt, wie bei Verfahren das Wohl der Kinder im Blick behalten werden kann. Sie sagt u.a.: "Kinder sind immer sehr begeistert von der Formulierung: Ich gebe Mama und Papa Hausaufgaben auf. Das finden die immer toll. Wenn die auch merken: Die Erwachsenen müssen was tun und das Kind kann sich entspannt zurücklehnen und drauf vertrauen, dass die Erwachsenen eine Regelung finden."

"Arme Kinder fühlen sich oft unsicher"

Die Zeit | Sabine Andresen im Interview mit Parvin Sadigh

Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich insbesondere in der Schule und von der Politik nicht ernst genommen und beklagen, dass ihnen zu wenig zugehört wird. Dies zeigt die repräsentative Studie „Children's Worlds+“, die Prof. Sabine Andresen (Universität Frankfurt) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt hat. Die Zeit führt ein Interview mit der Forscherin.

Die schleichende Verstaatlichung der Familie

Neue Zürcher Zeitung | Claudia Wirz

Der Staat erobere als vermeintlicher Garant von Kinderrechten und Chancengleichheit Schritt für Schritt seinen Platz am Familientisch, so schreibt eine Kolumnistin der Schweizer NZZ. Er mische sich zunehmend in höchstpersönliche Belange ein. "Das vermeintliche Geschenk eines Vaterschaftsurlaubs zum Beispiel soll den Vätern nicht nur mehr Zeit mit dem Nachwuchs ermöglichen, es will sie auch zu braveren Hausmännern umerziehen."

Koma-Patient Lambert gestorben

Tagesschau.de

Mitte Juli starb der 42-jährige französische Koma-Patient Vincent Lambert. Die Ärzte hatten die künstliche Ernährung gut eine Woche zuvor gegen den Widerstand der Eltern eingestellt. Das oberste Gericht Frankreichs hatte den Weg dazu freigemacht. Die Eltern hatten sich erfolglos durch alle Instanzen Frankreichs geklagt. Auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte waren sie gescheitert (FamRZ 2019, 1090 [m. Anm. Pintens] {FamRZ-digital | FamRZ bei juris}).

Wenn Männer stalken, drohen und abhören

Netzpolitik.org | Anne Roth und Anna Hartmann im Interview mit Chris Köver

Immer häufiger fragen Frauen in Beratungsstellen an, wie sie sich gegen Spionage, Online-Stalking und andere Formen von digitaler Gewalt wehren können. Netzpolitik.org spricht für seinen Podcast mit Anne Roth, Netzpolitik-Expertin der Linksfraktion, und Anna Hartmann vom Dachverband der Frauenberatungsstellen über Ladekabel mit Abhörfunktion und Polizist*innen, die kein Twitter kennen.

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