Kinder Inhaftierter müssen stärker wahrgenommen werden

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Der Paritätische veröffentlicht Positionspapier

Der Paritätische Wohlfahrtsverband nimmt mit dem im April veröffentlichten Positionspapier „Kinder in besonderen Lebenslagen – Elternteil in Haft“ eine bisher weitgehend unsichtbare Gruppe in den Blick: die Kinder von Inhaftierten. Diese seien eine eigenständige, spezifisch gefährdete Zielgruppe mit besonderen Bedürfnissen und entsprechendem Hilfebedarf; sie sollten daher als solche auch stärker wahrgenommen werden, fordert der Verband. Derzeit würden Kinder oft mitbestraft, wenn ein Elternteil eine Haftstrafe verbüßt.

EU-weit ca. 1 Million Kinder im Jahr betroffen

Betroffen sind in der Europäischen Union fast eine Million und in Deutschland 100.000 Kinder jährlich, so Schätzungen. Um mehr Aufschluss über die Zahlen zu erhalten, regt der Paritätische mit seinem Positionspapier an, dass Justizvollzugsanstalten bundesweit einheitliche Daten über die Kinder Inhaftierter erheben.

Auch müsse sichergestellt werden, „dass alle Betroffenen Zugang zur Unterstützung haben.“ Derzeit existierten zum einen keine deutschlandweit flächendeckenden Angebote. Zum anderen seien die bereits vorhandenen Hilfen noch zu wenig bekannt und würden von den Betroffenen zu wenig in Anspruch genommen. Der Verband fordert in diesem Zusammenhang „die verbindliche Klärung der Finanzierungsgrundlagen auf Landesebene, um eine flächendeckende Beratung und Unterstützung für Kinder und Familien von Inhaftierten, sowie spezialisierte Online-Beratungsangebote sicherzustellen.“ Die Finanzierungsverantwortung liege der Jugendhilfe bzw. bei der Justiz.

Kindgerechten Justizvollzug ermöglichen

Des Weiteren enthält das Papier die Forderung, den Justizvollzug kindgerechter zu gestalten und den Kontakt zu inhaftierten Eltern zu fördern.

  • Eine Unterbringung der Häftlinge nahe der Heimat
  • das Angebot von Paar-, Ehe- und Familienseminaren
  • familiengerechte Gestaltung von Besuchsräumen

sind nur einige Maßnahmen, die der Paritätische hierfür geeignet hält.

Durch Umsetzung seiner Forderungen sieht der Wohlfahrtsverband nicht nur die Möglichkeit, die Situation für betroffene Kinder und Familienmitglieder zu erleichtern. Die Maßnahmen legten auch den „Grundstein für eine erfolgreiche Teilhabe und Resozialisierung von Inhaftieren in die Gesellschaft“.

Das vollständige Positionspapier „Kinder in besonderen Lebenslagen“ ist online auf der Website des Paritätischen Gesamtverbands einsehbar.

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