Eltern befürworten bundesweite Kita-Standards

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Bertelsmann Stiftung befragte bundesweit 4.437 Mütter und Väter

Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung wünschen sich Eltern bundesweit verbindliche Qualitätsstandards für Kindertageseinrichtungen. Eine Mehrheit der befragten Mütter und Väter sprach sich dafür aus, Personalschlüssel, Verpflegung und Ausbildung der Fachkräfte für ganz Deutschland einheitlich zu regeln. Für die Studie befragte Infratest dimap im Auftrag der Bertelsmann Stiftung deutschlandweit 4.437 Eltern von Kita-Kindern im Alter bis einschließlich 7 Jahre.

Oberstes Anliegen ist besserer Betreuungsschlüssel

86 Prozent der Eltern fordern der Studie zufolge einheitliche Regelungen, für wie viele Kinder eine Erzieherin zuständig sein darf. Derzeit gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. In den ostdeutschen Bundesländern unterstützen die Forderung nach einheitlichen Personalschlüsseln sogar 93 Prozent der Befragten.

Für eine einheitlich geregelte Ausbildung des pädagogischen Personals sprechen sich 85 Prozent der befragten Eltern aus. Derzeit existiert zwar ein Qualifikationsprofil für Erzieherinnen und Erzieher, auf das sich alle Länder verständigt haben. Die Ausbildung folgt jedoch keinem bundesweit gültigen Lehrplan. 90 Prozent der Eltern sähen es zudem gern, wenn sich die Verpflegung der Kinder überall an anerkannten Ernährungsstandards orientierte. Das macht derzeit nur jede dritte Kita, wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung nachgewiesen hat.

Stärkere Orientierung am Bedarf der Eltern gefordert

Von der einzelnen Kindertageseinrichtung erwarten die Eltern ein pädagogisches Konzept, das sich an den individuellen Bedürfnissen der Kinder ausrichtet. Eine einheitliche Festlegung von pädagogischen Grundprinzipien für alle Kitas in Deutschland lehnen 78 Prozent der Eltern daher ab. Dies korrespondiert mit dem Wunsch der Eltern nach Anbietervielfalt: 84 Prozent wollen mehrere Kita-Träger vor Ort.

Die Vereinbarkeit mit dem Beruf sehen Familien durch das derzeitige Kita-System nicht hinreichend unterstützt: Drei von vier Müttern und Vätern sagen, es gebe nicht genügend Betreuungsplätze, vor allem für unter Dreijährige. 63 Prozent sind der Überzeugung, die Öffnungszeiten der Kitas orientierten sich nicht am Bedarf der Eltern. 78 Prozent der Mütter und Väter hätten gern eine größere Auswahl an Kitas. Mehr Information über die örtlichen Angebote befürworten 71 Prozent.

Kita-Kosten werden unterschiedlich bewertet

Von den 81 Prozent der Eltern, die derzeit für den Kita-Platz ihres Kindes bezahlen, bewertet mehr als die Hälfte (52 Prozent) ihren jetzigen Beitrag als angemessen. 46 Prozent dieser Elterngruppe hingegen empfinden ihn als zu hoch. Fast alle Eltern (95 Prozent) fordern von der Bundesebene, sich stärker an der Finanzierung der Kinderbetreuung zu beteiligen. Für ein besseres Kita-System auch selbst tiefer in die Tasche greifen würden 48 Prozent. Keine Bereitschaft, für Qualitätssteigerung höhere Beiträge zu zahlen, bekunden 52 Prozent.

Rund 14 Prozent der Familien zahlen derzeit keine Kita-Beiträge, weil sie in einem Bundesland oder einer Stadt mit genereller Beitragsfreiheit leben oder von Sonderregelungen profitieren. Ihre Bereitschaft, sich an der Finanzierung eines Qualitätsausbaus zu beteiligen, ist fast identisch mit der der Beitragszahler: 51 Prozent von ihnen würden für bessere Qualität auf ihre Beitragsfreiheit verzichten. In den östlichen Bundesländern sagen dies sogar 63 Prozent. Stiftungsvorstand Jörg Dräger spricht sich dafür aus, langfristig eine generelle Gebührenfreiheit für Kitas in Deutschland anzustreben, sagt aber auch: "Solange der Qualitätsausbau noch in vollem Gange ist, ist auf die finanzielle Beteiligung der Eltern nur schwer zu verzichten."

Wie teuer ein Kita-Platz die Eltern zu stehen kommt, hängt derzeit vom Wohnort ab. Die Elternbeiträge legt die jeweilige Kommune fest – ihre Höhe schwankt zwischen 0 und mehr als 600 Euro pro Monat. Das trägt dazu bei, dass Eltern sich durch Kita-Beiträge unterschiedlich stark belastet fühlen. So sehen sich 51 Prozent der Familien mit höheren Einkommen in ihrer Lebensqualität nicht durch ihren Kita-Beitrag beeinträchtigt, zwei Drittel der Familien mit niedrigen oder mittleren Einkommen hingegen sehr wohl.

Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage "Kita-Qualität in Deutschland – Was wünschen sich Eltern?" sind online auf der Website der Bertelsmann Stiftung einzusehen.


Quelle: Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung vom 7. Dezember 2016

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