Armut Alleinerziehender geht zu Lasten der Kinder

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Studie der Bertelsmann Stiftung empfiehlt neue Regelung für Kindesunterhalt

Kinder aus Ein-Eltern-Familien droht in Deutschland häufiger ein Leben in Armut – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. 50 Prozent der Kinder Alleinerziehender erhalten gar keinen Unterhalt, so die Studie; 25 Prozent bekämen weniger als ihnen zusteht. Die Folge sei, dass knapp eine Million Kinder Alleinerziehender in Deutschland von Hartz IV leben. Um die Situation dieser Kinder zu verbessern, müsse die Politik Regelungen für den Kindesunterhalt ändern. Verfasst wurde die Studie von Prof. Dr. jur. Anne Lenze (Hochschule Darmstadt) und Antje Funke (Bertelsmann Stiftung).

Drei von vier Kindern bekommen wenig bis gar keinen Unterhalt

Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden ist nach wie vor sehr hoch; in den vergangenen 10 Jahren hat sich ihre Situation sogar weiter verschlechtert: 42 Prozent bezogen 2014 ein Ein­kommen, das weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens entsprach. Als zentrale Ursache dafür, dass viele Ein-Eltern-Familien nicht über die Armutsgrenze kommen, nennt die Studie der Bertelsmann Stiftung ausbleibende Unterhaltszahlungen.


Zahlt der unterhaltspflichtige Elternteil nachweislich nicht, können Alleinerziehende den sogenannten Unterhaltsvorschuss beantragen. 2014 haben 455.000 Kinder diese Leistung in Anspruch genom­men. Allerdings erhalten sie Unterhaltsvorschuss höchstens sechs Jahre lang und auch nur, wenn sie jünger als zwölf Jahre sind. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, sieht hier Handlungsbedarf: „Die Regeln zum Unterhaltsvorschuss gehen häufig an der Lebensrealität der Betroffenen vorbei und haben die Kinder und Jugendlichen nicht im Blick. Alle Kinder haben unabhängig vom Alter und dem Trennungszeitpunkt ihrer Eltern Be­darfe, die gedeckt sein müssen. Deshalb sollten auch alle Kinder und Jugendlichen von 0 bis 18 Jahren Anspruch auf Unterhaltsvorschuss haben.“

Armut bekämpfen – Kindesunterhalt neu regeln


Kinderarmut sei ganz wesentlich auf die Armut von Alleinerziehenden zurückzuführen, so Dräger. Die Politik solle deshalb verstärkt Augenmerk auf eine Reformierung des Kindesunterhalts legen. Nur so seien mehr Bildungs- und Teilhabechancen für fast eine Million betroffener Kinder möglich. Die Studie formuliert ein 5-Schritte-Programm, um Armut in Ein-Eltern-Familien zu bekämpfen. Die Autorinnen raten,


  • vertiefte Analysen zu Unterhaltszahlungen durchzuführen
  • Unterhaltsansprüche besser durchzusetzen
  • bei fehlender Zahlungsfähigkeit der nicht betreuenden Elternteile staatliche Unterstützung anzubieten
  • den Unterhaltsvorschuss grundlegend zu reformieren
  • tatsächlich gelebte Betreuungsmodelle in getrennten Familien im Unterhalts- und Sozialrecht stärker zu berücksichtigen.

Der Volltext der Studie „Alleinerziehende unter Druck. Rechtliche Rahmenbedingungen, finanzielle Lage und Reformbedarf“ von Prof. Dr. Anne Lenze und Antje Funke steht auf der Website der Bertelsmann Stiftung zum kostenlosen PDF-Download bereit.  

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